Kreta 2000

 

 
11. August 2000
Zürich - Heraklion


Frühzeitiges aufstehen ist angesagt, Marianne und Beat fahren uns (meinen Mann und mich) zum Flughafen Zürich. Allein, schon zu dieser unchristlich frühen Stunde wartet hier eine Menge Volk aufs eingecheckt werden nach irgendwohin. Auch unsere Warteschlange ist ganz schön lang.
Erstmals fliegen wir heute eine Route über die Innerschweiz, über Luzern, Küssnacht, entlang von Rigi und Urmiberg, und so um 7 Uhr haben wir in der Morgensonne eine fantastische Sicht auf unsere Wohngegend.
Bei der Ankunft in Heraklion erwartet uns ein Prachtwetter. Es ist recht heiß und auf dem Flughafen herrscht ein unbeschreibliches Chaos. Wäre man nicht in Ferienstimmung, könnte man leicht einem Nervenzusammenbruch erliegen. Das dauert und dauert bis man weiß, wo das Gepäck herausgegeben wird, und da wartet noch immer jede Menge Ferienhungriger von den Flügen, die bereits vor uns hier waren. Es wird gestoßen, gerufen, gedrückt und geschoben, der Schweiß rinnt allseits in Strömen. Endlich, endlich ist es soweit, auch unser Gepäck erscheint und wir können es tatsächlich vom Band hieven; - und dann - nichts wie raus aus dieser engen Halle.
Draußen empfängt uns ein kräftiger und heißer Wind. Wir begeben uns zum Stand der Autovermietung. Auch hier werden die Nerven auf die Geduldsprobe gestellt. Wir haben das Arrangement Fly and Drive gebucht und sollen hier das Mietfahrzeug abholen. Irgendwann sind auch wir an der Reihe, man erklärt uns den Verlauf der Kreta-Rundreise und wir fassen Autoschlüssel samt Straßenkarte und Hotelgutscheinen.

Unser Mietwagen steht auf dem Parkplatz bereit und auf gut Glück machen wir uns an die Abfahrt. Die Wegbeschreibungen und Straßenkarten entsprechen nicht ganz unserm gewohnten Standard, aber nach einigen Zusatzkilometern finden wir dann unser heutiges Domizil doch noch. Die Anlage "Arolithos" liegt abseits der Küstenstrasse, etwa 11km außerhalb von Heraklion und ist ein Modell eines traditionellen kretischen Dorfes. Der Familienbetrieb bietet außer den Übernachtungsmöglichkeiten ein kleines Museum, Handwerkerstuben, ein Kafenio und eine Gastwirtschaft. Obwohl erst 12 Jahre alt, scheint die ganze Anlage in unsern Augen etwas älter.

Aber wir finden es recht heimelig und angenehm. Die Zimmer sind ganz einfach, Fußboden aus Stein, sanitäre Anlagen bescheiden. Vom Zimmer geht eine Terrassentür direkt ins grüne Freie, d.h. von grün ist kaum die Rede. Es herrscht Trockenheit und Dürre. Immerhin steht da aber auch ein Olivenbaum. Richtig grün ist es hier nur im Frühling nach der Regenzeit.

Nach dem Zimmerbezug fahren wir zurück nach Heraklion und sehen uns dort etwas um. Gegen Abend begeben wir uns wieder auf unsere Ferienanlage. Auf dem Familienbetrieb gibt man sich alle Mühe, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Das Wetter spielt ebenfalls mit, wir spazieren zwischen den stilgerechten Häusern und später wird während einer Folklore-Darbietung im Freien das Nachtessen serviert. Es mundet und das Unterhaltungsprogramm bietet viel Musik und Tanz. Außer den Übernachtungsgästen erscheinen hier ebenfalls etliche Cars mit Touristen aus der Umgebung.

Hier der Link über die Hotelanlage:  http://www.greekhotel.com/crete/heraklion/arolithos/home.htm

 

 

 
12. August
Thylissos -  Rethymnon

 

Wir kommen in den Genuss eines Frühstücksbuffets und machen uns dann bald auf die Weiterfahrt nach unserm nächsten Etappenort. In Richtung Westen geht es immer etwas bergauf und bergab, durch wildromantische Gegenden. Das Land ist einerseits ziemlich ausgetrocknet, doch da und dort trifft man waldähnliche Baumbestände. Die kleinen Dörfer kleben förmlich am Berghang, überall gehören Kirchen und Klöster zum Landschaftsbild. Um die Mittagszeit kommen wir beim Kloster Arkadi an. Dieses war, wie viele andere auf Kreta, Mittelpunkt des Widerstandes gegen Eroberer. Besonders schön ist die Fassade aus der venezianischen Renaissance des 16. Jahrhunderts. Im Innern der Gemäuer gibt’s viel Interessantes aus vergangener Zeit zu betrachten und man vernimmt die Geschichte der Revolution im 19. Jahrhundert.

Auf dem Weg zurück zur Küste machen wir Halt in einem kleinen Dorf, wo überall typische Handwerksarbeiten verkauft werden. Die Strassen sind geschmückt mit Aushang von Stickereien, Teppichen, allerlei Buntem und Modischem, Tüchern und Souvenir. Typisch, die Beschäftigung der einheimischen Männer. Während die Frauen ihrem Geldverdienst nachgehen, sitzen die Herren der Schöpfung stundenlang im Gartenrestaurant, trinken ihren Schnaps oder Kaffee, diskutieren über Gott und die Welt. Dabei wird immer mit so einer Art Gebetskette gespielt, eine Gewohnheit, die überall anzutreffen ist. Wir setzen uns ebenfalls hin und löschen unsern Durst.
Allmählich nähern wir uns wieder der Nordküste und wir machen uns auf die Suche nach unserm Hotel in Rethymnon, gemäss Beschreibung ein angenehmes Hotel, direkt am Strand, worauf wir uns schon freuen. Doch die Freude vergeht uns dann wieder, beim anmelden wird uns mitgeteilt, dass das Hotel ausgebucht und für uns ein Ersatzplatz gefunden wurde. So führt man uns zum Ersatzhotel; dieses ist eigentlich noch recht angenehm, sehr schön eingerichtet und fast neu, aber direkt an der Hauptstrasse mit viel Verkehr. Was soll’s, Überraschungen gibt’s immer und wir finden uns damit ab.
Es ist noch relativ früh am Nachmittag, so fahren wir in die Stadt und nehmen einen Augenschein. Ein typischer Badeort, mit vielen Hotels, Touristen, Läden und schöner Promenade. Irgendwo bekommen wir was zum Essen, wir genießen das Nichtstun und beobachten den Betrieb. Beim Eindunkeln fahren wir zurück zum Hotel, nicht ohne vorher einen filmreifen Sonnenuntergang zu erleben. - Nachts wird es dann ab und zu laut, einmal von der Strasse, und dann befindet sich direkt unter unserm Balkon eine Notfallstation mit regem Kommen und Gehen.

 

 

13. August
Rethymnon - Chania


Zum Frühstück werden wir im ursprünglich gebuchten Hotel erwartet. Da verpflegen wir uns schon mal und statten gleich noch mal dem Strand eine kurze Visite ab. - Vor der Weiterfahrt nach Chania besichtigen wir nochmals Rethymnon, ein sympathisches Städtchen mit viel Badebetrieb.
Dann aber geht’s in westlicher Richtung, über Gebirge und durch Täler. Herb und wild ist die Landschaft, manchmal einsam. Die Strassen entsprechen natürlich nicht unserm Standard, sind oft eng, rumplig und führen zwischen den Häuserfronten durch, da wo es Ortschaften gibt. Es heißt dann schon mal aufpassen, nicht gleich eine Haustreppe zu erwischen, dabei sitzen die Leute auf ihren Stühlen vor den Häusern und beobachten neugierig die zahlreichen Touristen in ihren Mietwagen. Doch wir haben ja Zeit und Musse und genießen all diese bunten Eindrücke.
Wir machen Rast am einzigen Süßwasser-See auf Kreta, allerdings soll da das Baden sehr gefährlich sein. Es gibt da ein kleines Restaurant, über dem See, an der passähnlichen Strasse gelegen. Bei herrlichstem Wetter und etwas Wind verpflegen wir uns hier und genießen die Sicht auf den See.

Das Landesinnere ist weiterhin sehr gebirgig, so steuern wir allmählich wieder Richtung Meer, an die Nordküste. Chania ist in Sichtweite, war bis 1971 Hauptstadt von Kreta und ist auch sehr reizvoll. Hier ließe es sich angenehme Ferien machen, vor allem die Badehungrigen trifft man hier, außerdem hat das Städtchen viel Sehenswertes zu bieten. Der neue Stadtteil ist eine Gartenstadt mit breiten Strassen, der alte Stadtteil gleicht einem bunten Bild, das von den verschiedensten Kulturen geprägt ist. Die Tavernen rund um den venezianischen Hafen laden zum Verweilen ein.
Erst aber muss das Hotel zum Übernachten gefunden werden. Das ist dann auch wieder eine Kunst, die Wegbeschreibungen und Wegweiser haben eben so ihre Tücken. Wir checken uns ein, diesmal erwischen tatsächlich das Hotel nach Plan, mitten in der Stadt.

In den Abendstunden erfreuen wir uns am Betrieb im Hafenviertel und in der Altstadt. Auch der romantische Sonnenuntergang zieht uns in seinen Bann.

 

 

 
14. August
Chania - Agia Galini



Heute geht’s quer übers Gebirge von der Nord- an die Südküste Kretas. Die Natur ist wild, die Fahrbahn ordentlich. Von der Höhe aus wird der Blick immer wieder frei aufs Meer, bei diesem Wetter ein Genuss. Zahlreiche Kurven verlangen aber Konzentration beim Steuern.
Kurz vor Chora Sfakion zweigen wir ab gegen Westen und gelangen vorerst nach Frangokastello. In einer Taverne verpflegen wir uns und besuchen danach die Überreste der Burg aus dem 14. Jahrhundert. Darüber gibt es viele Legenden. Erbaut von den Venezianern, wurde sie im 19. Jahrhundert einmal von den Griechen erobert, dann aber von 8000 Türken völlig aufgerieben. Heute liegt unterhalb der Ruinen ein schöner Badeplatz.

Auf der Weiterfahrt gegen Osten führen uns die Wege etwas abseits der Küste wieder bergauf und -ab. Immer wieder treffen wir kleine Dörfchen, an den Hängen gelegen, eine Kirche rundet jeweils das Bild ab. Teilweise sind die Strecken fast abenteuerlich, dann aber ab Spili geht es zügig, bis wir am Nachmittag in Agia Galini eintreffen. Hier beginnt die Suche nach unserer Unterkunft. Recht bald finden wir das angekündigte Hotel. Sein Name lässt auf eine angenehme Nacht hoffen.

Der Inhaber beobachtet uns schon beim aussteigen und heißt uns willkommen, lässig an der Sonne sitzend. Er lädt uns gleich zu einem Schnaps ein und teilt uns mit, dass leider, leider, in seinem Hotel kein Platz mehr für uns ist. Er wird uns gerne zu einem Ersatzzimmer begleiten. Gesagt, getan. Wir werden bei irgend einer Tante einquartiert und wir beschließen bald, die Nacht hier nicht zu lang werden zu lassen. Ob es allerdings im „verpassten“ Hotel gemütlicher wäre, bleibe dahingestellt.
Wir machen uns bald auf die Erkundung des kleinen Städtchens.

Die 750 Einwohner sind hier vom Tourismus überrollt worden. Sonntags zieht es hier 2500 Urlauber her, wobei die Strände eher mäßig sind. Trotzdem ist das alles ein Rummelplatz mit allem drum und dran. Es scheint, der Ort bestehe nur aus Restaurants, meistens einfach eingerichtet, wo man aber doch ansprechend essen kann. Abends ertönt aus den Lokalen live Musik und wir genießen beim Nachtessen einen Traumblick aufs Meer, bei Vollmond wie heute, unvergesslich.

So halten wir das recht gut aus, bis wir zu späterer Stunde uns zum Ruhen ins zugewiesene Zimmer begeben. Doch an viel Schlaf ist nicht zu denken, weil morgen Feiertag ist, herrscht reges Nachtleben im Ort. Bis morgens früh verkehren, parken, starten, bremsen alle Sorten von Fahrzeugen vor unserm Fenster und verpesten die Luft. Dabei viel Lärm der meist jungen Leute. Im Zimmer herrscht Hitze, keine Klimaanlage, ans Fenster öffnen ist auch nicht zu denken. So sind wir heilfroh, wenn der Morgen bald anbricht.

 


 

15. August 
Agia Galini - Ierapetra 


Ein bescheidenes Morgenessen bekommen wir im Hotel, wo wir zum Schlafen keinen Platz fanden. Da treffen wir auch die andern zwei Paare, die ebenfalls die einwöchige Rundreise per Auto unternehmen. Auch ihnen wurde eine Ersatz-Schlafunterkunft zugewiesen, die man, gemäss ihren Aussagen auch unter der Rubrik „Besenkammer“ einreihen könnte. Das ist hier wohl so Sitte, man nimmt Buchungen an und schickt dann die einmal-Übernächtler irgendwohin, weil längerbleibende Urlauber oder Fest-Wochenende mehr Profit versprechen. Aber was soll’s, wir nehmen‘s gelassen. Die Infrastruktur hat hier noch viel aufzuholen, und so nimmt man solche Situationen eben in Kauf.

Entlang der Südküste geht die heutige Fahrt mit gelegentlichen Abstechern ostwärts nach Ierapetra. Südöstlich von Agia Galini schwenken wir etwas südwärts und fahren zum archäologischen Fundort Agia Triada. Wir betrachten kurz aus der Ferne die Ausgrabungen eines minoischen Gebäudekomplexes aus der Zeit um 1600 bis 1450 v.Chr. Näher befassen wir uns damit nicht, da es unglaublich heiß ist und wir keine Lust haben, an der prallen Sonne die für Kenner sicher interessanten Steinhalden zu untersuchen.

Am Nachmittag nähern wir uns der Stadt Ierapetra, die ganze Strecke verlief mehr oder weniger im gebirgigen Küstenstreifen, wo überall die größeren und kleineren Ortschaften an die Hügel gelegt wurden. Es lebt sich hier recht bescheiden, die Leute sind freundlich und allenthalben bekommt man auch etwas zum Beißen und Trinken.

Ierapetra selbst ist die einzige Stadt an der Südküste Kretas, mit ca. 11000 Einwohnern. Hier ist auch die Insel am schmalsten, d.h. bis Pachia Ammos im Norden sind es nur 14km. Auch fehlt hier der Gebirgshintergrund und alles mutet ein wenig afrikanisch an. Im Sommer wie im Winter ist es die wärmste Gegend Kretas. Entsprechend wird hier vor allem Gemüseanbau betrieben, auch in den Restaurants steht Gemüse groß auf jedem Speiseplan.

Etwas außerhalb der Stadt entdecken wir eine einladende Taverne, wo wir uns verpflegen. Erst sind wir zwar die einzigen Gäste und lassen es uns schmecken. Später setzt sich ein weiterer Gast in unsere Nähe, der sich nach einer Weile in unser Gespräch einmischt. Es ist ein Deutscher, der in der Stadt selber ein Café betreibt und in der freien Zeit gerne hierher kommt. Er rühmt ebenfalls die gute Küche der Gegend, vor allem auch in diesem speziellen Lokal. Gleichzeitig erfahren wir von ihm, dass das von uns gesuchte Hotel fast um die Ecke liegt. So bedanken wir uns für die Tipps und Ratschläge und sind tatsächlich kurze Zeit später schon in unserm Hotel, diesmal gibt’s keinen unvorhergesehenen Wechsel. Es gefällt uns hier ausgezeichnet. Den Abend verbringen wir in der Stadt, wo wir gemütlich flanieren und die afrikanische Stimmung einfangen.

 

 
16. August
Ierapetra - Sitia



Wir werden zu einem kleinen Morgenessen erwartet und begeben uns alsdann auf die Weiterreise. Diese führt uns ostwärts auf der Hauptstrasse bis Pilalimata. Entgegen den Reiseempfehlungen zweigen wir hier ab auf eine Nebenstrasse weiter ostwärts bis Goudouras. Wir möchten unsere Fahrt abseits der Hauptstrasse über die Berge von der Südost- nach Sitia an der Nordostküste bewältigen. Die Kartenangaben sind allerdings sehr zweifelhaft und von einer zu andern Ausgabe sehr unterschiedlich. Aber wir wagen mal den Start ins Ungewisse. Erst kommen wir recht voran, obwohl die Strasse weder asphaltiert noch anständig breit ist. Doch die Gegend ist so wild und gottverlassen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kreuzungsmanövers recht gering ist. Viel mehr treffen wir auf Wegkreuzungen, die von unserm Instinkt die richtige Wahl für die Weiterfahrt verlangen. Wegweiser gibt’s hier keine. Dazu gleicht die Strecke je länger je mehr einem ausgefahrenen Bachbett. Wir hoffen auf gelegentliche Besserung der Zustände, doch damit ist nichts. Immer häufiger schlagen Steine von gröberem Kaliber an den Auto-Unterbau, selbst bei Tempo 10km. Wir besinnen uns auf den Mietvertrag, wonach ein Schaden am Unterbau des Fahrzeugs nicht gedeckt sei. Wohlweislich beschließen wir nach hoffnungslosem Kriechen, das Unterfangen abzubrechen. Allein das Umkehren ist wieder ein halbes Abenteuer.

Zurück auf der Hauptstrasse nehmen wir die vom Reisebüro vorgeschlagene Strecke in Angriff.
Quer von Süden nach Norden, durch ebenfalls eindrückliche Gegenden mit Landwirtschaft und Wäldern, durch kleine Dörfer. Öfters lohnt sich eine Pause, um die vielen schönen Ausblicke zu genießen.
Wir freuen uns auf das heute zu erwartende schöne Hotel direkt am Meer, wohl das vornehmste der ganzen Reise. Am späteren Nachmittag fahren wir in Sitia ein und finden bald das gesuchte Hotel „Itanos“. Da herrscht Betrieb wie in einem Kurort und kurzerhand hat man natürlich für uns kein Zimmer, sei es entweder nicht gebucht worden oder man quartiert uns einfach sonst aus. Man weiß nie, welche Ausrede nun stimmt. Umständlich werden wir an eine andere Adresse geschickt. So langsam gefällt uns das ganze nicht mehr. Es ist heiß und wir machen uns auf die Suche. So vergeht sehr viel Zeit, bis wir das „Ersatz-Hotel“ finden, an einem übrigens unmöglichen Platz. Man stelle sich vor, die ganze Stadt ist sehr steil und hügelig, mit schmalen Einbahnstrassen kreuz und quer. Parkieren unmöglich. So parkieren wir halt irgendwo und machen uns zu Fuß zum „Hotel“ auf. Man erlaubt uns, den Wagen zu holen und das Gepäck kurz auszuladen. Also - gesagt, getan, oder auch nicht. Unglaublich, wir finden unsern Wagen nicht mehr. Da hat es jede Menge Strassen und wir laufen Berg und Tal, von Ost nach West und von Nord nach Süd, schwitzen uns einen ab und können es kaum glauben. Dann irgendwann entdecken wir einen „markanten Punkt“ und einige Zeit später auch das Auto.

Nun geht’s wieder ans Suchen des Hotels, das gleiche Spiel, aber immerhin per Motor. Irgendwann ist dann das Gepäck ausgeladen, dann geht Alois erneut auf Parkplatzsuche. Es dauert dann eine halbe Ewigkeit, bis er in unserm Zimmer wieder auftaucht. In der Zwischenzeit überlege ich mir, ob wir da überhaupt etwas auspacken sollen. Wir befinden uns in einer Absteige-ähnlichen Kammer, mit Ausblick auf eine Bauruine. Dazu ein unerträglicher Lärm und Gestank vom endlosen Straßen- und Gassenverkehr rundum.
Um der Ungemütlichkeit zu entfliehen fahren wir wieder hinunter an den Hafen und erleben noch einen schönen Abend in der eigentlich sehr hübschen Stadt, wo man beschauliche und ruhige Ferien machen könnte.

 
17. August 
Sitia - Agios Nikolaos


Nach dem eher kärglichen Zmorgen verlassen wir Sitia auf der Hauptstrasse westwärts. Die ganze Strecke ist sehr kurvenreich und führt etwas abseits von der Küste durch grüne Landschaften, die aber auch hier vom Wassermangel gezeichnet sind.
Nach einer kurzen Fahrt dem Meer entlang zweigen wir auf Nebenstrassen ab, die uns in einer urtümlichen Gegend mit unzählig
en Kurven nach Lassithi bringen. Die fruchtbarste Hochebene Kretas zieht zahlreiche Touristen an. Die berühmten segeltuchbespannten Windmühlen sind zwar in ihrer ursprünglichen Funktion selten geworden, sie wurden längst durch Motorpumpen ersetzt. Dennoch sind die erhalten gebliebenen Exemplare noch immer ein Anziehungspunkt. Ganz in der Nähe könnte man auch noch die Geburtshöhle des Zeus besuchen, was uns aber nicht sonderlich reizt.

Auf der Hauptstrasse in nördlicher Richtung gelangen wir zurück auf Meereshöhe, wo wir in Neapoli einen weiteren Halt einschalten. Ein beschauliches Städtchen, wo uns besonders die Bischofskirche auffällt.

Später erreichen wir per Autobahn unsern heutigen Etappen- und Ferienort Agios Nikolaos am Meer. Das gebuchte Hotel „Ormos“ ist sehr nett und wir bekommen ein ruhiges Zimmer.

 

 

18. - 25. August
Ferienanlage „Candia Park Village“in Agio Nikolaos


So ist denn heute unsere Rundreise zu Ende und wir fahren noch zu unserer Ferien-Adresse, der Anlage "Candia Park", ebenfalls in Agios Nikolaos. Hier können wir den Mietwagen abgeben und wir checken für eine Woche Aufenthalt ein.

Als erstes haben wir Rendezvous mit der Reiseleiterin vor Ort. Beim Schildern unserer Rundreise-Erlebnisse kommen wir auch auf die Unstimmigkeiten bei den Übernachtungen zu sprechen. Nicht, dass wir da groß reklamieren wollen, aber für spätere Arrangements sicher nützlich, zu wissen. Der Reiseleitung sind unsere Erfahrungen nun wirklich gar nicht recht und man bemüht sich redlich um Wiedergutmachung. Nebst Früchtekorb aufs Zimmer offeriert man uns entweder eine Schifffahrt nach Santorini oder einen Tag lang ein Mietauto. Da Frühaufstehen und Schiffsreisen nicht gerade zu meinen Hobbys gehören, nehmen wir das Angebot für einen Gratis-Mietwagen dankend an.
Dieser steht dann wie abgemacht eines Morgens bereit und wir nehmen nochmals Kurs nach Süden, wo uns die wilde Küste und das leicht afrikanische Flair schon auf der Durchreise gefallen haben.

So können wir uns in aller Ruhe nochmals etwas umsehen und die Fahrt kreuz und quer über die Berge des Ostzipfels von Kreta genießen. Den Mittagshalt verbringen wir an einem kleinen Strand an der Südküste.

Im Freien der höher gelegenen, einsamen Natur sind wir diesmal etwas vorsichtiger. Überall trifft man auf Bienenbestände, die den beliebten und berühmten einheimischen Honig produzieren. Letzte Woche hat mich dann tatsächlich so ein fleißiges Wesen beim Aussteigen aus dem Auto am Hinterkopf erwischt. Da konnte man nur hoffen, nicht allergisch zu reagieren, weit und breit kein Mensch oder Zivilisation in Sicht. Zum Glück blieb es bei dem einen Stich, der dann aber doch einige Tage für Unbehagen im ganzen Kopf sorgte.
So erkunden wir heute ungeplant nochmals einen Teil der Insel per Auto und erfreuen uns an der reichlich vorhandenen urtümlichen Natur und auch etwa an merkwürdigen Dingen. Recht eindrücklich an den Bergstrassen die Wasserverteilanlagen per Schläuchen, die bergabwärts führen und jeder einzeln von oben ein- oder ausgeschaltet werden muss. Auf dem Rückweg erleben wir gleich noch einen kleinen Waldbrand. Wegen Trockenheit und Dürre ist die Feuerwehr aus der Luft allgegenwärtig und in kürzester Zeit einsatzbereit.

Den Rest der Ferienwoche im „Candia Park Village“ von Agio Nikolaos verbringen wir mit Erholen, Spazieren, Flanieren, Beizli- und Restaurant-Besuchen, Lesen und auch einigen Schwimmzügen im Meer. Das Freiluft-Morgenessen nehmen wir jeweils auf dem Sitzplatz unseres Studios ein, die Küche ist gut eingerichtet. Lebensmittel und sonst noch alles Nötige kann man im zur Anlage gehörenden Lädeli kaufen. - Größere Essen bekäme man auch im der Anlage eigenes Restaurant, wir ziehen es jedoch vor, die verschiedenen Angebote der zahlreichen örtlichen Restaurants zu genießen, vor allem die kretischen Spezialitäten. Von und zu unserer Ferienanlage setzt es einen anständigen Fußmarsch ab. Zeit haben wir ja genug und etwas Bewegung schadet auch nichts, so verzichten wir bei diesem schönen Wetter auf die Taxifahrten. Der spätere Abend klingt meist "zuhause" aus, natürlich bei einer guten Flasche Wein. Da können wir uns bei angenehmen Temperaturen in Ruhe bis spät nachts draußen auf unserm Sitzplatz aufhalten.

http://www.kreta.com/kreta/objekt_detail.php?search=hotel_app_candia_park_village

Am 25. August werden wir von einem Taxi abgeholt und zum 65km entfernten Flughafen von Heraklion gefahren. Auch diesmal ist hier die Situation chaotisch. Als Goodwill für die gehabten Unannehmlichkeiten in der ersten Woche hat uns die Reiseleitung im voraus gute Plätze reserviert. Eigentlich haben wir dabei fast ein schlechtes Gewissen, denn so arg war die Sache ja auch wieder nicht. Aber gerade wegen unseres Verständnisses möchte man uns erst recht noch entgegenkommen. - Also können wir die Hektik beim Einchecken gelassen nehmen. Trotzdem erwischen wir bei der Passkontrolle noch den falschen Schalter, Schweizer sind ja nicht EU-Bürger. In dieser fast aus den Nähten platzenden Abflughalle ist es dann beinahe ein Kunststück, nochmals am richtigen Ort an den Schwanz der richtigen Kolonne zu stehen. Schlussendlich schaffen wir auch dies, nicht ohne Abgabe von etlichen Schweißtropfen. Der Flug verläuft dann planmäßig.

Diese zwei vergangenen Wochen haben uns ausgezeichnet gefallen, und wir schließen nicht aus, Kreta auch einmal zur Frühlingszeit zu besuchen.

 

 

 

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