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OktoberSommerTraum

  

Der herbstlich gefärbte Nachsommertag lädt zum geniessen ein. Allein mit mir und meinen Gedanken lege ich mich an die wärmende Sonne, fern jeder Belastung, weit ab der täglichen Sorgen. Das Gefühl ist unbeschreiblich, Wärme umhüllt mich.

Die Verkehrsgeräusche der nahen Strasse entschwinden, sie weichen einem gleichmässigen Meeresrauschen. Kinderlachen weckt Vergangenheitsträume. Möwen begleiten kreischend die Fischerboote und am Horizont verschwinden die Umrisse eines Riesentankers.

Ab und zu huscht ein Schatten vor meine halb geschlossenen Augen. Am tiefblauen Himmel geben sich fliegende Mitmenschen vor der Sonne ein Stelldichein. Die grenzenlose Freiheit im Wind, getragen von bunten Flügeln. Ich blinzle in die Sonne, um in der nächsten Minute weiter zu schlummern. Der aufkommende sanfte Wind spielt mit dem feinen Sand, umschmeichelt meinen Körper und schickt mich auf neue Traumreisen. Die Zeit scheint angehalten, alle Mühen und jeder Kummer sich in Luft aufgelöst zu haben.

Da, was will denn der luftige Geselle dort, hoch über mir? Er winkt mir zu und ruft: "He komm doch mit. Steig auf den Sandhügel dort drüben, ich werde dich holen!" Sprichts, schwebt eine Kurve und setzt genau auf der Krete der Sanddüne auf. Ich reibe mir die Augen und staune, nochmals höre ich ihn rufen: "Komm, ich warte".

Der Marsch durch den warmen Sand, aufwärts bis zur höchsten Stelle, strengt ziemlich an. Oben angekommen, setzt mich mein Gönner kurzerhand an seine Seite, bereitet den Start vor und schon entführt uns der Wind.

"Wohin soll denn die Reise gehen?" frage ich meinen Begleiter. "Du wirst es schon noch erleben", ist die Antwort. So bin ich auf Überraschungen gefasst und beginne, den Flug zu geniessen.

"Siehst du dort unten, hinter den hohen Dünen, das grosse Dorf?"

Tatsächlich entdecke ich ein Städtchen, Strassen, und, etwas weiter entfernt, sogar einen Flugplatz. Wir sinken etwas ab und ganz deutlich sehe ich jetzt inmitten der vielen Hausdächer gross und majestätisch eine Kirche. Ihr Turm ist unübersehbar. Vor dem Eingang erkenne ich eine grössere Menschenansammlung.

"Nanu, was geschieht denn hier?" frage ich staunend.

"Gleich beginnt da der Gottesdienst. Jeder, der etwas auf sich hält, ist bestrebt, einen guten Platz zu ergattern, um möglichst viele Blicke auf sich ziehen zu können. Man gibt sich grosszügig, fromm und Gott ergeben."

"Und was ist das Besondere daran?" wage ich zu fragen.

"Da solltest du mal den Alltag einzelner dieser Herrschaften kennen", bekomme ich zur Antwort.

"Dort zum Beispiel, siehst du die Dame unter dem grossen roten Hut?" Ich nicke.

"Das ist die Frau Direktor, sie ist sehr reich und beschenkt die Kirche bei mancher Gelegenheit. Ihr Dienstpersonal dagegen wird mit kümmerlichem Lohn abgespiesen, ihre verschiedenen Häuser stehen leer. Schon manche kinderreiche Familie fragte ohne Erfolg um ein Dach über dem Kopf. Jeder Bettler wird mit Schimpf und Schande abgewiesen. Ich frage mich, wo bleibt da die Nächstenliebe."

Mein Begleiter fährt fort: "Und dort, der Herr, der dem dicken Wagen entsteigt, das ist der Fabrikant, ein guter Bekannter des Pfarrers. Seine Firma floriert, er lebt in Saus und Braus, besitzt Liegenschaften auf der ganzen Welt. Doch seine Arbeiter, dank denen die Firma gross geworden ist, müssen um ihren eh schlecht bezahlten Job fürchten. Profitgier pur veranlasst die Direktion, immer mehr Menschen zu entlassen. Wer bleiben will, wird zu immer mehr Leistung angetrieben, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit. Die Sozialleistungen sind miserabel, Hauptsache, die Erfolgszahlen steigen noch mehr in die Höhe. Das ist doch alles zum Kotzen."

"Da drüben, das ist der fromme Bäckermeister. Zu Hause schlägt er seine Frau und die Ferien verbringt er mit fremden Damen. - Hinter ihm steht der Bankier. Dieser…..".

Mir wird übel. "Bitte hör auf, ich kann nicht mehr zuhören. Das alles tönt so grauenhaft. Bring mich lieber wieder an meinen Sonnenplatz am Strand."

"Weißt du, ich wollte dir bloss mal die Wirklichkeit zeigen. Viele Menschen wollen viel mehr scheinen, als sie sind. Wenn man dann hinter die Kulissen schaut, wird man klüger. Was nützt der Gang zur Kirche, wenn auf dem Hin- und Rückweg nur über Gott und die Welt gelästert, am Nachbar kein guter Faden gelassen wird und Vergebung ein Fremdwort ist."

Schweigend geht mein Flug zu Ende. Ich finde mich im warmen Sand wieder. Das Meer rauscht und ich versuche, den Alptraum abzuschütteln.

Meine Nachdenklichkeit wird jäh unterbrochen. Erst sanft, dann immer deutlicher wird das Knabbern an meinen nackten Füssen. Ob sich da wohl ein Wassertier an meinen Zehen vergreifen will? Am Ende gar ein kleiner Krebs? 

Ich öffne die Augen und richte mich auf. Fragend beschnuppern mich meine Samtpfoten. Unmissverständlich bekunden sie, was es geschlagen hat, nämlich Zeit für den Griff zur Futterdose. Weit und breit keine Sanddünen mehr, das nahe Glockengebimmel der von der Alp zurück gekehrten Viehherde holt mich endgültig in die Wirklichkeit zurück.

(Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit sind rein zufällig!)

 

Fotos und Texte Urheberrechte ©mholdener

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Die HausTür

Ich bin schon in die Jahre gekommen, kann mehr Kratzer als Glanz aufweisen und die Glasscheiben im oberen Teil sind beinahe blind.

So viele Schicksale habe ich an mir vorbei gehen sehen. Als ich neu war, haben alle zu mir Sorge getragen, behutvoll wurde ich ins Schloss gelegt, bunte Vorhänge zierten meine neugierigen Fenster. Junge, frohe Leute gingen ein und aus, ihre Liebesgeschichten habe ich aufgeschnappt und diskret für mich behalten. Es dauerte nicht lange bis die ersten Kinderwagen durchgeschoben wurden, fröhliches Kinderlachen erfüllte das Treppenhaus. Es kam auch mal vor, dass ein Fussball sein Ziel verfehlte, das bescherte mir erst ein paar Sprünge im Glas, gelegentlich auch mal neue Scheiben.

Abwechslung in meinen Alltag brachte der Postbote, früher noch zweimal täglich. Die Briefkästen im Treppenhaus waren rund um die Uhr zugänglich und mit Interesse verfolgte ich jeweils deren Leerung durch die Bewohner. Da setzte es die unterschiedlichsten Gemütsbewegungen ab. Freudentränen, Seufzer, Lachen, Trauer und Wut, jenachdem, welcher Art die Post war. In der heutigen Zeit kann ich es mir nicht mehr leisten, jedermann ins Haus zu lassen, zu gross die Angst und Unsicherheit der Bewohner. So entgehen mir auch die Postlieferungen und damit das Treppenhaus-Geplauder. Für so etwas hat ja kaum mehr jemand Zeit, wer Arbeit hat hastet und eilt, und von den andern hört man nichts als Jammern.

Jaja, auch unsereiner spürt den Lauf der Zeit. Die Welt ist anders geworden. Ich werde kaum noch eines Blickes gewürdigt, achtlos zugeworfen, wenn ich nicht gleich pariere, wird noch mit Fusstritten nachgeholfen. Das tut weh. Niemand schert sich um mein Krächzen, dabei würde mir doch ein bisschen Pflege so gut tun.

Die vielen Fusstritte setzten mir gar arg zu. Im Laufe der Zeit entstand in Bodennähe ein kleines Loch, gerade gross genug, um Struppi, dem herumstreunenden Kätzchen Einschlupf zu gewähren. Wenn draussen Hundewetter angesagt ist, bekomme ich Gesellschaft. Klein Struppi geniesst das Bisschen Schutz, das ich ihm bieten kann. Es verkriecht sich dankbar ins Eckchen. Dort ists so dunkel, dass noch keiner der Hausbewohner etwas von seiner Anwesenheit gemerkt hat.

So sind meine Tage nur noch mit Warten auf den munteren Vierbeiner erfüllt, der mir mit seinem Schnurren zu verstehen gibt, wie sehr es ihm bei mir gefällt. Wir sind dicke Freunde geworden. Und sollte er einmal etwas zu übermütig werden, bemühe ich mich um ein kräftiges Quietschen meiner Angeln, damit keiner etwas von meinem Gast bemerkt. Es könnte ja sein, dass dann endlich mein Loch gestopft würde, und das möchte ich nun eigentlich nicht……

 

 

Urheberrecht ©mholdener

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